Wie m√∂chten Sie bezahlen, mit Euro oder mit Daten? So k√∂nnte heutzutage tats√§chlich eine berechtigte Frage lauten. Dass viele Leistungen, die auf den ersten Blick kostenlos sind, h√§ufig mit den eigenen Daten bezahlt werden, ist dabei viel zu wenigen Menschen bewusst. Der Bereich ‚ÄěDaten√∂konomie‚Äú wird aus volkswirtschaftlicher Sicht immer pr√§senter und ist mittlerweile ein Kernbestandteil der digitalen Wirtschaft. Die erhobenen Daten werden entsprechend aufbereitet und zur Informationsgewinnung in verschiedenen Wertsch√∂pfungsketten verwendet. Auch in der Versicherungsbranche gibt es vermehrt Impulse, Verg√ľnstigungen gegen Daten anzubieten. Aktuell ist dabei insbesondere das Thema ‚Äědurch Telematik-Daten bei der KFZ-Versicherung sparen‚Äú in aller Munde. Verschiedene Anbieter locken dabei mit Rabatten bis zu 45% in der Versicherungspr√§mie. Ob es sich daf√ľr aber tats√§chlich lohnt, das eigene Fahrverhalten √ľberwachen zu lassen, muss am Ende jeder selbst f√ľr sich entscheiden. Insbesondere im Ausland, z.B. in den USA, in Gro√übritannien und in Italien, sind Telematik-Tarife schon l√§nger √ľblich.

Doch wobei handelt es sich eigentlich bei ‚ÄěTelematik‚Äú? Im Grunde genommen handelt es sich dabei um die Verkn√ľpfung der Technologien ‚ÄěTelekommunikation‚Äú und ‚Äě Informatik ‚Äú, die bereits in vielen Bereichen, wie z.B. beim bargeldlosen Bezahlen oder bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens (‚Äěelektronische Patientenakte‚Äú) eingesetzt wird. In der Versicherungsbranche wird im Bereich der KFZ-Versicherung mittels der Beobachtung und Einordnung des Fahrverhaltens ein anzunehmendes Risiko ermittelt. Der pers√∂nliche Score wirkt sich dann wiederum auf die Preisnachl√§sse in der Versicherung aus (‚Äěpay as you drive‚Äú). Technisch umgesetzt wird das Vorgehen meist mit der Verwendung einer Smartphone-App, die in Kombination mit einem eingebauten Sensor im Fahrzeug die Daten erhebt.

Je nach Versicherer werden dabei unterschiedliche Daten erhoben, die sich auf die Höhe des individuellen Scores auswirken, wie z.B.:
– Beschleunigung: Wie stark wird insbesondere nach Ampeln und Kurven beschleunigt?
– Bremsen: Wie hart wird gebremst?
– Kurven: Wie schnell wird durch welche Art von Kurven gefahren?
РGeschwindigkeit: Wie schnell wird grundsätzlich gefahren?
РHandynutzung: Wird während des Fahrens das Handy bedient?
РTageszeiten: Wird viel nachts oder zu Stoßzeiten gefahren?
РStraßentyp: Wird vermehrt auf der Autobahn, Landstraße oder im Stadtverkehr gefahren?
– Fahrtdauer: Wie lang sind die Fahrten? Werden Pausen gemacht?
РHäufigkeit der Nutzung: Wie viel wird generell gefahren?

Anhand dieser Daten k√∂nnen sich die Versicherer ein umfassendes Bild von dem Fahrverhalten einer Privatperson machen. √úblicherweise werden die Daten an ein Drittunternehmen weitergegeben, das diese auswertet und einen Score dar√ľber bildet, wie sicher der Fahrer unterwegs ist. √úblicherweise wird der Versicherungsbeitrag aber erst im Nachhinein gemindert.

Die Versicherungen argumentieren bez√ľglich ihrer Telematik-Tarife, dass sie damit bei den Versicherungsnehmern auf ein umsichtiges und vorausschauendes Fahrverhalten hinwirken m√∂chten und dies entsprechend honorieren. Da der Versicherungsnehmer in der App ebenfalls seinen eigenen Fahrstil √ľberwachen kann, erhoffen sich die Versicherungen davon auch eine verhaltenssteuernde Wirkung, um zu defensiverem Fahrverhalten anzuregen. Hiermit k√∂nnten Unf√§lle minimiert werden, sodass die Versicherungen Kosten einsparen k√∂nnten. Dar√ľber w√ľrde laut den Versicherungen ein defensives Fahrverhalten weiterhin auch zum Umweltschutz beitragen, da u.a. der Verschlei√ü am Auto (z.B. R√§der) und der Spritverbrauch gesenkt werden k√∂nnten.

Aus Sicht der Datensch√ľtzer ist ein solches Vorgehen durchaus als eine Stufe des Social-Scoring-Systems zu bewerten. Jeder Versicherungsnehmer sollte sich gut √ľberlegen und f√ľr sich entscheiden, ob er so detailliert √ľberwacht und ein ‚Äěgl√§serner Autofahrer‚Äú werden m√∂chte. Denn nat√ľrlich k√∂nnte eine solche √úberwachung im Fall eines Unfalls f√ľr die Privatperson auch ggf. negativ ausgelegt werden, wenn die Versicherung den Unfallhergang und die ‚Äěbeg√ľnstigen Faktoren‚Äú unmittelbar nachvollziehen k√∂nnte. Diese Entscheidung muss allerdings jeder selbst f√ľr sich treffen.

Quellenangabe:

– Artikel „Die Telematik-Tarife der Kfz-Versicherer: Rabatt gegen Daten!“, abgerufen am 01.12.2023 unter https://www.dr-datenschutz.de/die-telematik-tarife-der-kfz-versicherer-rabatt-gegen-daten/